Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft

Katarzyna Norkowska

Ein vereinnahmter Klassiker?

Der moderne Dichter Benn und der Klassiker Goethe zeigen auf den ersten Blick wenige Gemeinsamkeiten. Ihre Lebenslage und der Hintergrund ihres Schaffens lassen sich schwer in Gleichklang bringen. (...) Der Anziehungskraft Goethes kann Benn sich aber anscheinend nicht widersetzen. (...) Wir haben es nicht mit einer vorübergehenden Faszination zu tun, sondern mit einer fruchtbaren Begegnung, mit einem jahrelangen Gespräch mit dem mächtigen Vorläufer, mit Schwankungen zwischen Anbetung und gnadenloser Kritik. Benn polemisiert nicht selten gegen Goethes Ideen. Seinen Rang stellt er aber nie in Frage. An zahlreichen Stellen seines Werkes wird Goethes Größe besungen. (...)

Wir wollen nicht nur die dichterische Fruchtbarkeit seiner Beschäftigung mit dem Thema feststellen, sondern zuerst sein Goethe-Bild vor dem zeitgenössischen Hintergrund zeigen. Gefragt wird, inwieweit Benn von außen beeinflußt wird, welchen Gruppierungen er eventuell nahesteht oder auch, von welchen er sich abgrenzt. Mit seiner Darstellung der Figur des Klassikers nimmt er nämlich - bewußt oder unbewußt - teil an der öffentlichen Diskussion (...). Meine These lautet: Benn versucht sich mit seinem Goethe-Bild nach außen abzugrenzen, sich weder links noch rechts anzuschließen.

(aus der Einleitung)

Aus dem Inhalt

  • Goethe-Rezeption in Umbruchszeiten. Die Goethe-Feiern 1932 und 1949 als der unmittelbare Hintergrund des Bennschen Goethe-Studiums
  • Goethes Naturwissenschaften im Verständnis Gottfried Benns
  • Goethes Werk aus der Sicht des modernen Dichters Benn

Die Autorin ist Literaturwissenschaftlerin, Absolventin der Germanistik an der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Torun.

Kartoniert, 316 S., ISBN 978-3-940310-59-0 / EUR 24,00

Dissertationes Inaugurales Selectae, Bd. 55