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Kleists schlesische Reise

Die Riesengebirgs-Reise des Schriftstellers Heinrich von Kleist im Juli 1799 steht im Zentrum eines Sonderheftes der Vierteljahresschrift "Silesia Nova". Als Koedition des Kleist-Museums in Frankfurt/Oder und des Neisse Verlages begleitet es die Ausstellung "Kleists schlesische Reise", die am 3. Oktober im Gerhart-Hauptmann-Haus in Agnetendorf (Jagniatków / Jelenia Góra) eröffnet wird.

Heinrich von Kleist als frischimmatrikulierter Student der Alma Mater Viadrina in Frankfurt/Oder nutzte die vorlesungsfreie Zeit, um mit seinen Geschwistern Ulrike und Leopold die benachbarte Provinz Niederschlesien zu besuchen. Sie fuhren nach Flinsberg und Meffersdorf, verbrachten eine Nacht auf dem Kynast und wanderten von Hirschberg aus über die Kochel- und Zackeltäler, die Schneegruben und den Elbgrund nach Friedrichsthal in Böhmen. Am 13. Juli 1799 erlebten sie auf der Schneekoppe den Sonnenaufgang. Nach dem Abstieg trugen sich die Geschwister in das Fremdenbuch der "Hampelbaude" ein, das sogenannte Koppenbuch. Kleist, damals vor allem naturwissenschaftlich interessiert, verfaßte darin eine "Hymne an die Sonne". Diese Notizen sind die einzigen überkommenen Dokumente dieser Reise und gehören zu den wenigen erhaltengebliebenen Handschriften Kleists.

Rund um dieses heute zum Handschriftenbestand der Universitätsbibliothek Wroclaw gehörende Koppenbuch beleuchtet die Ausstellung den Reisealltag um 1800, sie zeigt zeitgenössische Reiseführer, Karten, künstlerische Darstellungen des Riesengebirges und kunstgewerbliche Gegenstände.

Das Sonderheft vereint Beiträge von neun deutschen und polnischen Autoren über Kleists "Hymne an die Sonne" und die Riesengebirgsreise der Geschwister, über Schlesien als preußisches Neuland und Reiseziel der vornapoleonischen Zeit, über das Riesengebirge in der Literatur sowie das Riesengebirge im künstlerischen Werk von Christoph Nathe, Caspar David Friedrich, Ludwig Richter, über die Schaffgotsche Bibliothek in Bad Warmbrunn sowie über den Gelehrten Adolf Traugott von Gersdorf.

Die Ausstellung wird am 3. Oktober, 17 Uhr im Gerhart-Hauptmann-Haus in Agnetendorf (Jagniatków, Ortsteil von Jelenia Góra) eröffnet. Das Sonderheft ist zur Vernissage sowie ab diesem Tag im Buchhandel, beim Neisse Verlag und im Kleist-Museum Frankfurt (Oder) erhältlich. Es umfaßt 96 Seiten und kostet 8,00 Euro / 19,00 PLN. Silesia-Nova-Abonnenten können es beim Verlag zum Vorzugspreis von 4,00 Euro / 10,00 PLN erwerben.

Weitere Ausstellungsorte sind das Fürst-Pückler-Museum Schloß Branitz (Cottbus), das Haus der Heimat in Stuttgart und das Kleist-Museum in Frankfurt (Oder).